„Erinnerung braucht Wiederholung“

Gedenkfeier am Mahnmal im Dinslakener Stadtpark ruft zum Widerstand gegen Antisemitismus auf

„Erinnerung braucht Wiederholung“ – mit diesen Worten eröffnete Pfr. i.R. Gerhard Greiner die Gedenkfeier, die in Erinnerung an die Judenpogrome in Dinslaken am 10. November am Leiterwagen-Mahnmal im Stadtpark begangen wurde. Musikalisch unterstützt durch Gabriele Kortas-Zens (E-Piano) und Dorit Isselhorst (Querflöte) erinnerten Greiner und Pfr. i.R. Heiko Dringenberg an den Schrecken und die Gewalt des 10.11.1938 vor Ort. Sie sind in dem Buch „Wo die Juden geblieben sind, ist nicht bekannt“ von Anne Prior, der Vorsitzenden des Dinslakener Stolpersteinevereins, nachzulesen:

Wie Wohnungen jüdischer Mitbürger*innen zerstört wurden, genauso das jüdische Weisenhaus, wie die Kinder dieses Weisenhauses – nur notdürftig gekleidet bei nasskaltem Wetter – durch die Innenstadt getrieben wurden, die kleineren auf einem Leiterwagen, den die größeren ziehen mussten, gefolgt von ebenfalls aus ihren Häusern vertriebenen jüdischen Mitbürgern. Ein Zug von etwa 90 Menschen. Sie alle wurden in die Ghettos und Vernichtungslager deportiert und ermordet.

„Die Gefahr ist nicht vorbei – darum müssen wir lauter werden gegen Antisemitismus“

„Das Erschreckende an den Ausschreitungen in Dinslaken war die hohe Zahl von Jugendlichen, die an der Zerstörung aktiv teilnahmen – angespornt und begleitet von ihren Lehrern“, betonte Heiko Dringenberg in einem Fazit, bei dem er wieder aus dem Buch von Anne Prior zitierte. Unter den zahlreichen Teilnehmenden der Gedenkfeier waren auch heutige Berufsschüler*innen, die betroffen hörten, dass es ihre Vorgänger*innen waren, die sich zu den Gewalttaten des 10. November in Dinslaken hatten anstacheln lassen.

Auch heute noch ist diese Gefahr nicht vorbei. Auch heute noch lassen Menschen sich zu antisemitischen Gewalttaten hinreißen. Das betonte Gerhard Greiner in seinen abschließenden Worten, als er an den Diebstahl und die Verbrennung der israelischen Flagge auf dem Lohberger Markt erinnerte. Erschreckend sei auch – so Greiner weiter – dass Querdenker sich als die „neuen Juden“ sehen und mit Davidstern am Arm gegen die vermeintliche ‚Verfolgung‘ durch Corona-Einschränkungen demonstrieren. Oder dass Mitbürger*innen Angst haben, sich in der Öffentlichkeit durch Kippa oder Davidstern als jüdisch zu zeigen. Und er mahnte: „Wir müssen an solchen Stellen als Stadtgesellschaft zusammenstehen und lauter werden, denn die Bedrohung für Jüdinnen und Juden ist längst wieder da“.