…wo mit
Herz zugehört wird.
Seelsorge gehört schon immer zur Kirche dazu.
Schon Jesus hat sich um die Seele von Menschen gekümmert, ihnen zugehört, sie gestärkt und in ihrem Leid gesehen. Ihm ging es immer um den ganzen Menschen – mit Herz, Verstand und Seele. Das hat sich die Kirche in ihrer langen Geschichte über die Jahrtausende zum Vorbild genommen.
Früher ging es in der Seelsorge oft um Glaubensfragen – die Bibel war ein wichtiges Hilfsmittel, um Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. In den 70er Jahren professionalisierte sich die Seelsorge immer mehr: Anregungen aus der Psychologie wurden aufgenommen, Pfarrpersonen zunehmend auch in „therapeutischeren“ Ansätzen geschult. Gleichzeitig war es oft noch so, dass Pfarrpersonen z.B. noch öfter für Sterbebegleitungen in die Häuser von Menschen gerufen wurden. Im Lauf der Zeit hat Seelsorge sich dann immer weiter ausdifferenziert, um für Menschen in ganz unterschiedlichen Notlagen da zu sein. Seelsorge hat Kirche also immer schon zu einer „menschenskirche“ gemacht, und die Seele aller gestärkt, die es brauchten.

Seelsorge heute…
Heute gilt das weiter, denn wir wissen: Manchmal fährt die Seele Achterbahn.
Wenn das Gefühl entsteht, aus der Kurve zu fliegen, ist menschenskirche auch heute da. In unserem Kirchenkreis finden sich Menschen, die mit dem Herzen hören.
Es ist eine Freude, wenn geheiratet wird oder ein Kind geboren wird. Taufe, Hochzeit und Konfirmation werden gerne begleitet und gemeinsam gefeiert.
Wenn ein Abschied das Leben erschüttert, wird Halt und Begleitung angeboten – in Trauer, bei Trennung und in Krisen sind wir da.
Es gibt Telefonseelsorge – rund um die Uhr ist jemand in der Leitung (natürlich anonym); auch per Chat und Mail besteht Erreichbarkeit.
Auch vor Ort in der jeweiligen Kirchengemeinde sind Pfarrpersonen und pastorale Mitarbeitende ansprechbar (natürlich auch, wenn sonntags kein Kirchenbesuch stattfindet).
Notfallseelsorge – wenn die Seele einmal Erste Hilfe braucht, lassen wir in akuten Notlagen niemanden allein.
Für uns zählt nur der Mensch und was die Seele braucht: Seelsorge findet auch im Gefängnis statt.
Seelsorge im Gefängnis: Fragen an Gott
Die JVA Dinslaken ist eine Abteilung der JVA Duisburg-Hamborn. In Dinslaken gibt es bis zu 70 (im Augenblick wegen Bauarbeiten 60) Plätze für Frauen in Untersuchungshaft oder zur Verbüßung von Kurz- oder Ersatzfreiheitsstrafen. Neben der Begleitung der Inhaftierten in Einzelgesprächen, Bibel- und Bastelgruppen u. v. m. gehören natürlich auch Gottesdienste zum Angebot der Seelsorge in der Haftanstalt. Sie sind unabhängig von Konfessions- und Religionszugehörigkeit für alle Interessierten offen und werden zum Teil von Prädikant*innen gestaltet, sodass ein buntes Programm entsteht.
In einem dieser Gottesdienste wurden die Teilnehmer*innen gefragt: „Was würden Sie Gott fragen, wenn er heute zu Besuch käme?“ Hier einige Antworten:
- Für was lebe ich?
- Wann kommt mein Todestag?
- Bin ich ein böser Mensch?
- Warum müssen Kriege sein?
- Warum kommst du so spät?
- Wieso???
- Bin ich liebenswert?
Fragen nach dem Sinn des Lebens, der Möglichkeit eines gesunden Selbstwertgefühls, dem Umgang mit Schuld und eigenen Leiderfahrungen, mit Konflikten und dem Ertragen von Hilflosigkeit tauchen im Haftalltag immer wieder auf. In der Seelsorge werden diese Fragen gemeinsam ausgehalten und nach Antworten gesucht. Auch wenn es diese nicht immer gibt, ist die Begleitung ein Zeichen: „Gott ist mit uns. – Egal was.“
Das Kreuz auf dem Bild hängt in der Kirche der JVA Dinslaken. Es wurde von Inhaftierten selbst gestaltet. Ein Satz, der ihnen dazu wichtig war: „Gott sieht uns, egal wo wir auf unserem Weg gerade sind.“



Und manches machen wir auch ganz anders als bisher…
…weil Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben, gehen wir mit der Zeit.
Mal ganz anders heiraten oder sich segnen lassen? Bei der Pop-up-Hochzeit ist das möglich. Eine spontane und unkomplizierte Trauung oder ein Segen als Paar – in aller Buntheit und Vielfalt, unabhängig davon, wen man liebt.
Mal ganz anders ein Kind taufen lassen? Bei der Pop-up-Taufe ist eine unkomplizierte und gerne auch spontane Taufe möglich – für Kinder wie auch für Erwachsene.
Oder besteht Lust, entspannt bei einer Tasse Kaffee über Gott und die Welt ins Gespräch zu kommen? Dann lohnt sich ein Besuch beim Kaffee-Mobil Mecki. Hier stehen Ehrenamtliche bereit, die sich darauf freuen, zuzuhören.
Überhaupt:
Ehrenamtliche in der Seelsorge nicht mehr wegzudenken. Sei es in der Telefon- und Notfallseelsorge, im Besuchsdienst in der Gemeinde oder eben an unserm Kaffeemobil. Sie werden gut geschult und bringen sich mit ihrer Lebenserfahrung und ihren Perspektiven ein. In Zukunft hoffen wir, dies noch weiter zu fördern – mit intensiven, professionellen Seelsorgeschulungen für Ehrenamtliche auch in unserem Kirchenkreis.
Katharina Bous über Seelsorge, Kaffee und Ehrenamt
Katharina Bous ist Pfarrerin der menschenskirche, Seelsorgeentwicklerin, „Mecki-Initiatorin“ und Gestalterin in der menschenskirche. Im Video erzählt sie uns ein wenig über das kleine Kaffeemobil Mecki und wie Seelsorge, Kaffee und Ehrenamt zusammenkommen .



