…wo weltweite Gemeinschaft
Glauben trägt.
Die Anfänge…
Das Engagement der menschenskirche in der Flüchtlingarbeit fußt auf einer schrecklichen Tragödie: der Brandanschlag 1991 in Hünxe, bei dem zwei Mädchen schwer verletzt wurden. Eine Welle der Solidarität löste die Tat damals aus. Der Arbeitskreis „Flüchtlinge“ der evangelischen Kirchengemeinde Hünxe kümmerte sich um die Opfer, sorgte dafür, dass leicht Verletzte schnell in Krankenhäuser kamen, stellte Speisen und Getränke zur Verfügung. Die Kirchengemeinde brachte die zwei verängstigten libanesischen Familien zudem im Gemeindehaus unter. Um nur einige der Hilfen zu nennen.
Im Nachgang schafft der Ev. Kirchenkreis Dinslaken eine Koordinierungsstelle für die Flüchtlingsarbeit. Pfarrer Gerhard Greiner tritt Anfang 1993 seinen Dienst an. Viele Flüchtlinge kamen damals aus dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien, besonders Bosnien – Herzegowina, dem Kosovo und der Türkei (Kurden). Der Pfarrer führt eine höchst professionelle Flüchtlingsberatung ein, begleitet Menschen in Asylverfahren, aufenthalts- und sozialrechtlichen Fragen, sprich mit Behörden, mit politisch Verantwortlichen in den Kommunen und dem Land NRW. Im Zentrum seiner Arbeit stand, Geflüchteten, die im Asylverfahren nach langen Jahren abgelehnt waren, ein humanitäres Aufenthaltsrecht zu verschaffen, wenn diese die notwendigen Schritte der Integration bereit waren zu gehen. „Heute wird das Stadtbild von diesen ehemals Geflüchteten mitgeprägt,“ sagt Gerhard Greiner selbst. Darunter viele damals junge Leute.
Es werden „Vernetzungstreffen“ für die Ehrenamtlichen zu Fragen der praktischen Arbeit, als auch flüchtlingspolitischen Fragen ins Leben gerufen. Zudem kommt es zu einer Zusammenarbeit mit der Flüchtlingsbeauftragten der Stadt Voerde, Iris Rutert, die 2024 viel zu früh starb.

Im Glauben verankert…
Die Grundlage für das Engagement der menschenkirche findet sich in vielen Stellen in der Bibel. Hier finden sich zwei mit einer Einordnung von Pfarrer Gerhard Greiner: Jesus spricht: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.“ (Matthäus 7, 12). Es geht dabei darum, sich in den/die Andere(n) hinein-zuversetzen. Heute bei all dem Hass gegenüber Flüchtlingen ein oft vergessenes Gut.
Das andere Bibelwort steht im Ersten Testament. Dort heißt es: „Für die ganze Gemeinde gelte nur eine Satzung, für euch wie auch für die Fremdlinge. Eine ewige Satzung soll das sein für eure Nachkommen, dass vor dem Herrn der Fremdling sei wie ihr. Einerlei Ordnung, einerlei Recht soll gelten für euch und für den Fremdling, der bei euch wohnt.“ Um Recht und Gerechtigkeit geht es. Oder wie Hannah Arendt sagte: “Das Recht, Rechte zu haben.“ Das ist die Grundlage aller Menschenrechtsarbeit! Auch die der Kirche! Heute geht es um das Gegenteil: Geflüchteten Rechte zu entziehen bis hin zum Rechtsbruch. Stichwort: Abweisung von Asylsuchenden an den Grenzen.

Pfr. Gerhard Greiner

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Unterricht
Heute…
Heute ist die die professionelle Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis auf mehrere Schultern von hauptamtlichen Mitarbeitenden der Diakonie im Ev. Kirchenkreis Dinslaken verteilt. Im Psychosozialen Zentrum für Geflüchtete Menschen (PSZ) arbeiten eng verzahnt Psycholog*innen und Sozialarbeiter*innen, um geflüchtete Menschen unabhängig ihres Aufenthaltsstatus, insbesondere schutzbedürftige und traumatisierte Menschen, Orientierung, Hilfe und Unterstützung anzubieten.
Eine Flucht und ein Neuanfang in einem unbekannten Land stellen für die betroffenen Menschen ein tief einschneidendes Lebensereignis und eine große Herausforderung dar. Eine unbekannte Sprache, ein unbekanntes Rechtssystem, sowie unbekannte kulturelle Normen und Werte lösen in erster Linie oft Gefühle von Unsicherheit und Angst aus. Dazu kommen die oft schweren traumatischen Erlebnisse aus dem Heimatland und von der Flucht. In dieser Situation ist es wichtig, Hilfe durch die o.g. Professionen an der Seite zu wissen.
Zudem gewährt die Ev. Kirche Geflüchteten in Härtefällen auch Kirchenasyl.
Kirchenasyl hat eine lange Tradition… Kirchenasyl, oder vielmehr: religiös begründetes Asyl in sakralen Räumen gab es schon zu alttestamentlicher Zeit. Tempel waren Orte, an denen keine Gewalt ausgeübt werden durfte, dadurch waren sie sichere Schutzräumen für verfolgte Menschen. Das galt auch im antiken Griechenland, wo das Wort „Asyl“ seinen Ursprung hat: Das Rauben von Sachen oder Personen hieß „sylon“, die Vorsilbe „a“ bedeutet die Verneinung. „Asylon“ heißt also wörtlich „nicht beraubt“ und bezeichnete den Ort, an dem etwas oder jemand vor Raub sicher war. Auch bei den alten Germanen waren heilige Stätten zugleich Schutzorte – das Prinzip ist aus mehreren Kulturen bekannt.
Im Mittelalter wurden zum Teil konkrete Personenkreise genannt, für die der Sakralschutz gelten sollte: zum Beispiel für Mörder, Ehebrecher oder Diebe – also explizit für Verbrecher. Das Kirchenasyl im Mittelalter beruhte auf der starken Stellung der Kirche. Als die Kräfteverhältnisse sich zu Beginn der Neuzeit verschoben und die Staaten sich als politische und juristische Macht von der Kirche emanzipierten, wurde die staatliche Anerkennung des Kirchenasyls in Europa nach und nach aufgegeben (zuerst in Schweden 1528, zuletzt in Sachsen 1827).
Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte das Instrument des Kirchenasyls weltweit eine Renaissance. Höhepunkt war das so genannte „Sanctuary Movement“ in den USA in den 1980er Jahren: Dort nahmen Kirchen mexikanische Einwanderer auf, die von den Behörden massenweise abgelehnt wurden. In Deutschland gilt die Beherbergung einer Gruppe von Palästinensern in der Berliner Heilig-Kreuz-Gemeinde im Jahr 1983 als das erste Kirchenasyl der Neuzeit.
Ursache für das Aufleben des Kirchenasyls in Deutschland war das Inkrafttreten des Asylverfahrensgesetzes im Jahr 1982, das für Flüchtlinge eine Verschärfung bedeutete. Die Kirchenasylbewegung entwickelte sich auch aus der Protestkultur dieser Zeit: Der ehemalige Bundestagspräsident und gläubige Katholik Wolfgang Thierse (SPD) bezeichnete das Kirchenasyl in einem Interview als „die Fortsetzung der Friedensbewegung mit anderen Mitteln“. Im Jahr 1993 wurde das Asylrecht in Deutschland erneut eingeschränkt: Zwar genießen politisch Verfolgte laut Artikel 16 GG grundsätzlich Asylrecht, doch es gilt nicht für diejenigen, die aus einem so genannten „sicheren Drittstaat“ eingereist sind.
Hier finden Sie eine Stellungnahme von Superintendenten David Bongartz zum Schutz des Kirchenasyls.
Lesvos Solidarty wurde 2012 ins Leben gerufen. Das Begegnungscenter der Organisation, das Mosaik Support Center, ist eine Art Volkshochschule. Dort können die Menschen an unterschiedlichen Sprachkursen in Griechisch, Englisch, Arabisch und Farsi teilnehmen. Zudem werden noch Computerkurse und Integrationskurse angeboten. Außerdem ist dort das „Legal Center Lesvos“ untergebracht, eine Anlaufstelle für die Rechtsberatung in den Asylverfahren. Zudem hat die Organisation ein Wohnprojekt (Selameth) für Frauen und Kinder realisiert.

Seit 2017 engagiert sich die Gruppe um Gerhard Greiner und Edith Bruckwilder für Lesvos Solidarity auf Lesbos. Mitte 2018 besuchte eine Gruppe des Ev. Kirchenkreises, u.a. mit dem damaligen Superintendent Friedhelm Waldhausen und Weltladen Dinslaken zum ersten Mal die NGO Lesvos Solidarity in Mytilini. An der zweiten Reise im einer 7-köpfigen Delegation aus dem Ev. Kirchenkreis und dem Weltladen Dinslaken im Jahr 2023 nahm auch Hanke Ibbeken, Pfarrerin der Ev. Kirchengemeinde Götterswickerhamm, teil.
Hier lesen Sie mehr über die Reise.

